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Drückeberger - Jona drückt sich

 

                                                      Jona 1                                                

Liebe Gemeinde

Will befinden uns zu Beginn des achten Jahrhunderts vor Christus. Die Könige David und Salomon sind längst Geschichte. Das noch unter König Salomo bestehende Reich Israel ist in zwei Teile geteilt. Von ihrer Hauptstadt Damaskus aus greifen die Syrer konstant das Nordreich Israel an. Israel verliert laufend Grenzgebiete. König im Nordreich ist Jerobeam II im achten Jahrhundert wird das Reich Assyrien immer mächtiger und erobert laufend neue Gebiete.

Die Syrer müssen im Osten ihre Grenzen sichern. Daher können sie nicht mehr so stark den Norden Israels angreifen. Das erlaubt König Jerobeam II. die Grenzen wieder herzustellen, die das Nordreich zu Beginn seiner Spaltung vom Südreich im Anschluss an den Tod König Salomos hatte. Jerobeam II erfüllte damit eine Prophezeiung, die ihm der Prophet Jona gegeben hatte. Wir lesen davon in 2. Könige 14,25: Doch gelang es ihm [Jerobeam II], alle Gebiete, die zum Reich Israel gehörten, zurückzuerobern, von Lebo-Hamat bis hinunter zum Toten Meer. Damit ging in Erfüllung, was der HERR, der Gott Israels, durch seinen Diener versprochen hatte, durch den Propheten Jona, den Sohn von Amittai aus Gat-Hefer. In dieser Zeit der relativen politischen Ruhe für das Nordreich Israel lebte Jona.   Und wie uns das zweite Buch der Könige berichtet, hat Jona über das hinaus, was wir vom Prophetenbuch Jona über ihn wissen, im Nordreich Israel als Prophet bis ins Herz der Regierung hinein gewirkt. Er ist sehr wahrscheinlich ein Zeitgenosse der Propheten Amos und Hosea gewesen. Doch scheint er nicht wie die Beiden den Auftrag gehabt zu haben, dem Volk und dem König aufzuzeigen, wie weit sie sich in ihrem Leben und Handeln von Gott entfernt haben. Denn obwohl sich die Prophezeiung von Jona durch Jerobeam II erfüllte, tat dieser immer noch, was Gott zutiefst missfiel. Das Berichten und die Bücher der Könige und der Chronik.

Nachdem wir nun durch die Betrachtung der politischen Lage erfahren haben, in was für einer Zeit Jona lebte, wenden wir uns nun seiner Person zu. Der erste Vers dieses kleinen Propheten Buches gibt uns fast dieselbe Auskunft wie die Bibelstelle aus dem zweiten Buch der Könige: Das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn von Amittai. 

Jona ist sein Name. Gemeinhin wird seine Bedeutung mit «Taube» übersetzt. Die Bedeutung dessen Namen seines Vaters Amittai ist «wahrhaftig, treu, vertrauenswürdig, der redlich Gesinnte». Die Taube ist ein Symbol des Friedens, und das Buch Jona ist in der Tat ein Friedensangebot des Herrn, unseres Gottes, selbst. Es ist nicht nur, wie wir sehen werden, ein Friedensangebot an die Bewohner von Ninive, sondern ebenso an andere. In den Namen des Vaters und Jonas selbst leuchtet uns ansatzweise schon entgegen, was wir auch in Johannes 1,17 lesen: die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden. Wahrheit ist das Licht, das uns unseren Zustand vor Gott zeigt: Wir sind in der Sünde gefangen. Gnade ist das Mittel, das nötig ist, um uns aus der Gefangenschaft der Sünde zu befreien. So leuchten uns nun die beiden Seiten von Gottes Wesen bereits im ersten Vers des Jonabuches und damit auch in der gesamte Botschaft des kurzen prophetischen Buches entgegen. Gott ist ein Gott der Wahrheit, und wir müssen alle unsere Wege in das Licht seiner Wahrheit gebracht haben. Ein Gott, der bereit ist, zu verzeihen und zu vergeben, wo ist der zu finden? Gerade auch in der Lektüre des Buches Jona. Denn Jona ist wirklich ein Bild unseres Herrn Jesus Christus. Die Bedeutungen der beiden Namen verdeutlichen dies.

Auch im ersten Vers finden wir, dass die Quelle dessen, was Jona gehört hat, ihm nicht unbekannt war. Er kannte diese Quelle sehr wohl. Für ihn war zweifelsfrei klar, wer sprach. Wir lesen: Das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn von Amittai. Jona kannte die Stimme des Herrn. Er zweifelte nicht, dass es Gott, der Herr, selbst war, der ihm einen Auftrag gab. War der Auftrag an Jona unklar? Kaum! Hat Jona keine Autorität zum Handeln gehabt? Wiederum: nein! Aber woran lag denn Jonas Schwierigkeit, womit hatte er Probleme? Wie werden im Laufe der Betrachtung über dieses Buch erkennen, dass das Problem von Jona ganz woanders lag: Es war nicht Mangel an Klarheit hinsichtlich der Autorität des Befehls, sondern Mangel an der Bereitschaft, der Autorität Gottes zu gehorchen.

Erkennen wir uns hier nicht auch selbst in Jona? Wir wissen doch dass dieses Buch in unseren Händen, die Bibel, Richtschnur für unser Leben, Denken und Handeln ist, weil sie Gottes Weisheit für uns beinhaltet. Es ist uns überliefert, dass Jesus Christus gesagt hat, was seine Gebote sind. Wir finden wunderbare Worte wie (Mt 11,28): Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Ich nehme an, dass die meisten hier in diesem Gottesdienst diesen Ruf gehört und ihn als einen persönlichen Ruf, der an sie selbst gerichtet ist, angenommen und ihm damit auch Folge geleistet haben. Weiter sagen dieselben Lippen, die eingeladen haben mit «Kommt zu mir!» auch (Mk 16,15) Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die rettende Botschaft. Wir haben den Ruf «Kommt!» gehört und ihm Folge geleistet. Wir waren froh, in die Ruhe gekommen zu sein, die er versprochen hatte. Wenn es aber zu der Aufforderung «Geht hinaus!» kommt, dann ähneln wir allzu oft Jona, der es nicht so eilig hatte, Folge zu leisten. Es ist verblüffend, was uns alles an Entschuldigungen einfällt, was wir an geistreichen Ausflüchten finden können, um dieser Aufforderung nicht Folge leisten zu müssen, sie zu umgehen, sie zu verweigern oder sie zu verschieben. Die meisten von uns haben wirklich keinerlei Grund, Jona irgendwie zu kritisieren, weil er versuchte, dem Befehl Gottes auszuweichen. Dass die Aufforderung, in alle Welt zu gehen, göttlichen Ursprungs ist, das ist den meisten hier ebenso klar wie es Jona war, als das Wort des Herrn an ihn erging. Wir wissen ebenso gut Bescheid über die Autorität, die hinter der Aufforderung an uns steht. Das wahre Problem liegt nicht darin, dass wir zweifeln, ob diese Aufforderung von Gott kommt oder ob seine Autorität dahintersteht. Das wahre Problem liegt in uns selbst: Wir wollen nicht gehen. Wir wollen nicht Folge leisten. Wir rebellieren. Wir wollen Gottes Auftrag nicht ausführen.

In Jonas Fall lautete der Auftrag (Jona 1,2): »Geh nach Ninive, der großen Stadt, und kündige ihr mein Strafgericht an! Ich kann nicht länger mit ansehen, wie böse die Leute dort sind.« Zum Propheten bestimmt sein, das ist die eine Sache. Denn Propheten sind Sprecher Gottes dem Volk Gottes gegenüber. Die erste Pflicht des Propheten besteht darin, dass er Gottes Sprecher sein soll. Lasst uns immer daran denken, dass das Wichtigste für einen Propheten dies ist, dass er für Gott, nicht für sich selbst oder aus sich selbst heraus spricht! Ein Prophet Gottes spricht immer zum Volk Gottes. Er spricht nicht zu den heidnischen Völkern, die rings um das Land des Volkes Gottes leben. Jona weiss um dies alles. Und er würde sich auch nicht so sehr darüber wundern, wenn Gott ihm selbst etwas Ähnliches als Auftrag gäbe. So etwas hat Gott schon getan. Jona hatte für König Jerobeam II eine Botschaft. Doch der Auftrag, den er jetzt erhält, ist einzigartig: Er soll in die ferne grosse Weltstadt Ninive gehen und über der Residenz des assyrischen Königs, zugleich über das gesamte Volk und Reich Assyriens, in dessen Landeshauptstadt öffentlich ausrufen, dass ihre Schuld und Bosheit bis vor Gottes Angesicht hinaufgedrungen ist. Dass dies so ist, könnte Jona sich erklären. Die assyrische Weltmacht raubt Land um Land, sie unterjocht Volk um Volk. Massenweises Hinmorden, fürchterliche Grausamkeiten, brutale Verschleppung zahlloser Leute aus den besiegten Ländern in einem seit Menschengedenken noch nie gesehenen Ausmass, dazu vermessener Hochmut, gewiss auch noch schweres Unrecht verschiedener Art inmitten des eigenen Landes – das alles hat die Bosheit des Assyrerreiches zu einer Schuld von solcher Höhe aufgetürmt, dass Gott nicht mehr länger zuschauen will. Das schreit nicht nur, dass reicht bis zum Himmel empor und steht dort als ein Greuel unmittelbar vor dem Angesicht Gottes. Das kann Jona leicht verstehen. Aber Jona erhält einen Befehl von Gott, den noch niemals ein Prophet in Israel empfangen hatte: Er soll nach Ninive hingehen. Dieser Stadt und ihren Menschen ins Angesicht sagen, das ihnen Gottes Gericht droht. Jona hätte sich vielleicht noch vorstellen können, diese Botschaft im Volk Gottes zu ver künden. Aber nicht im Herzen der assyrischen Weltmacht. Das will Jona nicht tun!

Ninive – eine der ältesten Städte der Welt. Ninive, gegründet von Nimrod, einem Nachkommen Hams, der wiederum Sohn von Noah war. Wir lesen in 1. Mose 10 ab Vers 6: 6 Hams Söhne sind: Kusch, Mizrajim, Put und Kanaan. … 8 Kusch zeugte einen Sohn namens Nimrod, der war der Erste, der fremde Völker seiner Herrschaft unterwarf. 9 Er war auch ein kühner Jäger; deshalb sagt man noch heute von jemand: »Er ist ein gewaltiger/verschlagener/listiger Jäger vor dem HERRN wie Nimrod.« 10 Zuerst herrschte er über die Städte Babel, Erech und Akkad, die alle  im Land Schinar liegen. 11 Von da aus zog er ins Land Assur. Dort baute er die Städte Ninive, Rehobot-Ir und Kelach 12 sowie Resen, das zwischen Ninive und Kelach liegt. Ninive ist die bekannte große Stadt.

Durch Nimrod war eine völlig neue Potenz in die Entwicklung der Geschlechter Noahs hineingetragen worden. Er fing an, ein gewaltiger Fürst unter seinen Brüdern zu sein. Er benutzte seine besonderen Gaben: seine Intelligenz, seine Klugheit und seine Stärke zur Zusammenfassung der Kräfte der Schwächeren, um seine persönliche Macht und seinen persönlichen Einfluss zu heben und zu befestigen. In seinem ganzen Auftreten lag System. Unter dem Vorwand des Nationalruhms und auf Kosten des individuellen Wohlergehens begann er die Gesamtkräfte seines Zeitalters zu seinem eigenen Vorteil und Ruhm zu missbrauchen.

Nimrod war der erste, der da anfing, seine Mitmenschen „im Namen Gottes" zu unterdrücken. Er verstand es offenbar, die selbstsüchtige Gewalt durch den Schein des göttlichen Wohlgefallens zu verhüllen und so ihre Anerkennung im Namen Gottes zu fordern.

Nimrod gab sich aus als ein Jäger „vor dem Herrn" und knechtete doch seine Umgebung. Jeder Staat erweiterte seine Machtsphäre unter dem Schein der Gerechtigkeit und des Wohles schwächerer Völker.

Die DNA dieser Stadt und ihrer Machthaber ist die Unterwerfung. Das Land, das hier regiert wird, ist ein Land, in dem eigene Macht und selbstsüchtige Stärke, grossartige Kulturleistung und überhebliche Überlegenheit über die gesamte Welt gelebt und verbreitet wird. Wer kann dieser Demonstration von politischer Macht, militärischer Stärke, grossartiger Kulturleistung, überragender Intelligenz, überlegenem Intellekt, fortschrittlichster Technik und deren Grossartigkeit widerstehen? Parallelen zur modernen und heutigen Welt und ihrer Weltmächte sind mit Absicht herzustellen und bewusst gewollt: das napoleonische Reich, das britische Weltreich, das Dritte Reich, die Sowjetunion, die USA, China und auch Nordkorea, das wohl am zugespitztesten für den Nimrodsgeist und die Nimrodsseele der Unterwerfung der Völker steht.

Ins Herz dieser Macht soll Jona nun gehen und das Strafgericht des Gottes aller Götter, des El-Eljon, über Ninive und damit über Assur ankündigen. Die Botschaft eines Gottes, den die Assyrer nicht anerkennen und nicht an ihn glauben. Die Botschaft des Gottes, der das Gericht immer zuerst ankündigt und damit den Menschen und Städten und Ländern und Mächten immer die Gelegenheit gibt, umzukehren. Gottes Gerichtsbotschaft hat das Angebot der Umkehr, die Gnade immer auch mit dabei, selbst wenn die Gnade nicht verkündigt wird.

Jona sieht nicht ein, warum den Ungläubigen eine Chance zur Umkehr gegeben werden sollte. Zwar lautet sein Auftrag, den Untergang Ninives anzukündigen; aber aus Erfahrung weiss er ja, was Gott dann tun wird. Und hier greifen wir vor auf Jona 4,2: Jona sagte: »Ach HERR, genau das habe ich vermutet, als ich noch zu Hause war! Darum wollte ich ja auch nach Spanien fliehen. Ich wusste es doch: Du bist voll Liebe und Erbarmen, du hast Geduld, deine Güte kennt keine Grenzen. Das Unheil, das du androhst, tut dir hinterher Leid. Und wenn Ninive schließlich doch weiter bestehen darf, dann bleibt die Bedrohung für Jerusalem. Das darf nicht sein – Jona denkt logisch!

Rudolph Kassühlke, einer der Übersetzer der «Gute Nachricht Bibel», schreibt in seinen Gedanken, die ihm bei Bibelübersetzen von Jona gekommen sind:

«Jona war ein Einzelner: Wo stehe ich in der Gefahr, mich an Gottes Aufträgen vorbeizudrücken? Bewusst tue ich es sicher nicht. Aber ich erinnere mich an Situationen, in denen ich »logisch« urteilte und dementsprechend handelte. Dann galten klare biblische Aussagen und Weisungen für mich nicht mehr.»

Wir wissen von Jona, dass er partout nicht nach Ninive gehen wollte. Und so lesen wir: 3 Jona machte sich auf den Weg, aber in die entgegengesetzte Richtung. Er wollte nach Tarschisch in Spanien fliehen, um dem HERRN zu entkommen. In der Hafenstadt Jafo fand er ein Schiff, das dorthin segeln sollte. Er bezahlte das Fahrgeld und stieg ein. 4 Da schickte der HERR einen Sturm aufs Meer, der war so heftig, dass das Schiff auseinander zu brechen drohte. 5 Die Seeleute hatten große Angst und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe. Um die Gefahr für das Schiff zu verringern, warfen sie die Ladung ins Meer. Jona war nach unten gegangen, hatte sich hingelegt und schlief fest. 6 Der Kapitän kam zu ihm herunter und sagte: »Wie kannst du schlafen? Steh auf, rufe zu deinem Gott! Vielleicht hilft er uns und wir müssen nicht untergehen!« 7 Die Seeleute wollten durch das Los herausfinden, wer an ihrem Unglück schuld sei. Da fiel das Los auf Jona. 8 Sie bestürmten ihn mit Fragen: »Sag uns: Warum sind wir in diese Gefahr geraten? Wer bist du eigentlich? Was für Geschäfte treibst du? Zu welchem Volk gehörst du, wo ist deine Heimat?« 9 Jona antwortete: »Ich bin ein Hebräer und verehre den HERRN, den Gott des Himmels, der Land und Meer geschaffen hat.« 10 Er sagte ihnen auch, dass er auf der Flucht vor dem HERRN war. Da bekamen die Männer noch mehr Angst und sie fragten ihn: »Wie konntest du das tun? 11 Was sollen wir jetzt mit dir machen, damit das Meer sich beruhigt und uns verschont?« Denn es war inzwischen noch stürmischer geworden. 12 Jona sagte: »Werft mich ins Meer, dann wird es sich beruhigen. Ich weiß, dass dieser Sturm nur meinetwegen über euch gekommen ist.« 13 Die Seeleute machten einen letzten Versuch, durch Rudern das Land zu erreichen; doch sie schafften es nicht, denn der Sturm tobte immer heftiger. 14 Da beteten sie zum HERRN: »HERR, strafe uns nicht, wenn wir diesen Mann jetzt opfern müssen! Rechne uns seinen Tod nicht als Mord an. Es war dein Wille, und alles, was du willst, geschieht.« 15 Dann nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer. Sofort wurde es ruhig. 16 Da packte sie alle große Furcht vor dem HERRN. Sie schlachteten ein Opfertier für ihn und machten ihm Versprechen für den Fall ihrer Rettung.

Nur schon geographisch geht es jetzt mit Jona abwärts. Von Gath-Hefer, nicht weit entfernt von Nazareth im samaritischen Hügelland geht Jona nach Jafo, Joppe, heutiges Tel-Aviv. Dort besteigt er ein Schiff nach Tarsis. Auf dem Schiff begibt er sich in den Schiffsbauch und der Rest ist Geschichte. G. Christopher Willis schreibt:

«Es geht immer abwärts, wenn wir den Herrn verlassen wollen. Dies war nach außen hin sein erster Schritt nach unten, aber es war keineswegs sein letzter. Dem äußeren Schritt abwärts geht immer ein innerer oder geistlicher Schritt in diese Richtung voraus. Abwärts zu gehen ist leichter und bequemer, als aufwärts zu gehen. Das gilt für den Körper wie für den Geist. Passen wir deshalb besonders gut auf, wenn der Weg anfängt hinunterzuführen, wenn die Reise einfach wird und es keinen Hügel gibt, auf den wir steigen müssen! Wir können ziemlich sicher sein, dass wir dann auf den falschen Weg geraten sind.»

Wenn wir uns nun anschauen, welchen Weg Jona genommen haben könnte von Gaht-Hefer nach Jafo, dann sehen wir, dass er dazwischen über den Bergrücken gehen musste, auf dem auch der Berg Karmel ist. Er musste sehr wahrscheinlich nach der Durchquerung der Jesreel Ebene höher steigen als er überhaupt in Gath-Hefer war und dann wieder hinunter in den Küstenstreifen, in dem die Philister wohnten. Lieber von Gott wegrennen und Feindesland durchqueren, als die Botschaft Gottes zu verkünden und hinzugehen, wohin er uns gesandt hat.

Oh so oft ähneln wir Jona. Er lebte im Gebiet des Stammes Sebulon. Mose segnete diesen Stamm mit den Worten (5Mo 33,18): Freue dich, Sebulon, wenn du ausziehst, und du, Issaschar, über deine Zelte! So nahe beisammen die zwei Segen: der Segen des Ausziehens, des Losgehens, des Sich-Aufmachens für Sebulon und des Verweilens in den Zelten für Issaschar. Jona, so können wir annehmen, gehörte zum Stamm Sebulon. Und hätte er die Aufgabe und das Vorrecht als Sebulonit verstanden gehabt, weil Gott es ihm gegeben hatte, dann wäre er wohl mit Freude ausgezogen, so wie es der Segen sagt. Leider ist Jona aber durch seine Auflehnung gegen Gottes Auftrag und den Inhalt des Segens Sebulons bekannt geworden, und nicht, weil er mit Freude ausgezogen ist. Nicht jeder geniesst das Vorrecht wie Jona, mit einer Botschaft Gottes in heidnische Länder hinausgehen zu dürfen. Aber leider freut sich auch nicht jeder, der dieses Vorrecht hat, über diese Aufgabe.

Wir sind Kinder Gottes und damit Nachfolgerinnen und Nachfolger unseres Herrn Jesu. Er kam aus Nazareth. Nazareth liegt in Gebiet des Stammes Sebulon. Allein das ist ein Zeichen dafür, dass Jesus wirklich dem Charakter des Stammes Sebulons entsprach und den Segen Sebulons verstand und lebte. Er stieg aus seiner Herrlichkeit hinab in diese Welt. Er zog aus dem Himmel aus, um die gute Nachricht in dieser Welt bekannt zu machen. Sein Weg war immer einer, der hinausführte. Bis zum letzten Tag, an dem ihn sein Weg hinaus vor die Stadt Jerusalem auf den Hügel Golgatha führte, wo er aufgehängt am Kreuz rief: Es ist vollbracht. Gnade und Wahrheit sind aufgerichtet und vollendet. Die Befreiung aus Schuld und Sünde ist erreicht. Der nimrodsche Geist mit seiner Unterwerfungsmacht und Knechtung der Menschen ist überwunden. In gewisser Weise ist damit der Segen Sebulons vollendet gelebt worden. Gott ist ausgezogen, um Gnade und Wahrheit einer Welt zu zeigen, die voll nimrodschen Geistes und nimrodscher Macht der Unterwerfung und Brutalität ist. Wir stehen als seine Nachfolgerinnen und Nachfolger in seinem Auftrag, hinauszugehen und zu verkünden: Es ist vollbracht. Kommt und glaubt. Und dann geht hin und verkündet. Dorthin, wohin er dich sende, wohin er uns sendet.

Wer sich aber gegen sein «Geh hin!» wendet und sich weigert, Gottes Auftrag zu erfüllen, wird erleben müssen, dass es abwärts geht. So wie bei Jona, der am Ende buchstäblich ins Wasser geworfen wurde.

«Ja, ich wurde »ins Wasser« geworfen und hatte meine Lektion zu lernen. Ich danke meinem Gott von Herzen, dass er mich nicht aufgegeben hat. Er wird auch mit unserer zweifelhaften Logik fertig.»

schreibt Rudolph Kassühlke in seinen Betrachtungen.

Möge das Beispiel der Geschichte Jonas und vor Augen führen, dass wir nicht davor gefeit sind, wie er zu reagieren und instinktiv oder von Logik getrieben, einfach vor Gott wegzurennen. Und möge der Heilige Geist uns als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu helfen, im Vertrauen auf Jesus seinen Aufträge, seinen Aufforderungen «Geh hin» Folge zu leisten. Die Alternative ist, hinabzusteigen oder «ins Wasser geworfen zu werden».

Du hast die Entscheidung ebenso in der Hand wie Jona.

Amen.

 



Kroecker Jakob, Abraham Isaak Jakob, 1. Mose 15-20, Das lebendige Wort Band 2, Giessen-Basel 61989, S. 31.

Kroecker Jakob, Die Schöpfung - Noah, 1. Mose 1-11, Das lebendige Wort Band 1, Giessen-Basel 61989,S.340-341.

Kroecker Jakob, Die Schöpfung - Noah, 1. Mose 1-11, Das lebendige Wort Band 1, Giessen-Basel 61989,S.174.

Kassühlke Rudolf, Die Propheten, Gedanken eines Bibelübersetzers beim Lesen, Altensteig, 1999, S. 227.

Willis Christopher G., Bei Gott ist Rettung, Erbauliche Betrachtungen über den Propheten Jona, Das erweckliche Wort, Schwelm, 1978, S. 20.

Kassühlke, ebd.